Stress beim Hund

Was ist eigentlich Stress?

Stress ist das, was passiert, wenn ein Hund physisch oder psychisch überfordert oder auch massiv unterfordert wird. So ein Hund reagiert dann nicht mehr entsprechend der jeweiligen Situation, sondern nur noch instinkt- und triebgesteuert.

Stress versetzt den Hund in Alarmzustand. Seine Körperfrequenzen laufen auf Hochtouren: Blutdruck und Herzschlag steigen an, und die Leber schüttet Glukose in den Blutkreislauf. Das Gehirn reagiert, als sei eine lebensbedrohliche Situation eingetreten, der ganze Körper gerät in einen Flucht- oder Angriffszustand. Adrenalin aktiviert den Kreislauf, um schnell an die Energiereserven heranzukommen. Das Denken wird eingestellt, um das nackte Überleben zu sichern. Alles läuft nun nur noch über Reflexe.

Gerät ein Hund immer wieder oder sogar regelmäßig in Stress, werden ständig Stresshormone ausgeschüttet, wodurch es zu einem gestörten hormonellen Gleichgewicht kommt. Das hat weitere ungesunde Folgen, und der Körper schafft es nicht mehr, sich zu regenerieren.

STRESS VERRINGERT DIE TOLERANZGRENZE

Um mit Stress fertigzuwerden, schüttet der Körper sehr viel Cortisol aus. Die exzessive Ausschüttung dieses Stresshormons wiederum signalisiert ihm, dass er sich in großer Gefahr befindet. Gibt es keine »Entwarnung«, indem die Stresssituation verändert oder verlassen wird, können die Hormone nicht abgebaut werden, und die körperliche Anspannung bleibt erhalten. Und dadurch wird die Toleranzgrenze erheblich verringert (das ist übrigens bei allen gestressten Säugetieren so). Wenn – wie in unserem Fall – Hund und Mensch etwas lernen sollen, ist das natürlich schlecht.

STRESS VERSTÄRKT DIE INSTINKTE

Leider schüttelt man Stress nicht so leicht wieder ab. Die Adrenalinproduktion dauert sogar noch mindestens weitere 10 – 15 Minuten an, selbst wenn der »Stressauslöser« schon vorbei ist. Tatsächlich kann es bis zu sechs Tagen dauern, bis die Stresshormone wieder ganz abgebaut ist.

Was der Mensch verstehen muss (und was übrigens auch erklärt, warum manche Menschen so unglaublich zickig werden, wenn sie gerade Stress, also einen Adrenalin-Hochstand haben): Adrenalin verstärkt alle Instinkthandlungen. Je nach Anlage verstärken sich zum Beispiel Jagd- oder Wachtrieb des Hundes, ein unsicherer Hund kann panisch werden, ein pubertierender Hund »dreht hoch« auf Adrenalin. Erst wenn der Hund weniger Stress hat, der Adrenalinspiegel wieder gesunken ist und der Körper des Vierbeiners sich wieder im »Normalzustand« befindet, kann man auch wieder trainieren.

STRESS VERHINDERT LERNEN

Ein stark gestresster Hund muss daher erst einmal »heruntergefahren«, also in die Ruhe gebracht werden, bevor man überhaupt mit ihm trainieren kann. Denn wie beim Menschen entstehen beim Hund durch Stress sogenannte Lernhemmungen und Störungen in der Gedächtnisbildung, die den Lernprozess behindern. Das bedeutet: Ein Hund, der beim Training gestresst ist, lernt viel langsamer als ein Hund, der das Training lustig findet und entspannt ist.

Anzeichen dafür, dass der Hund Stress hat:

  • Zittern
  • Angespannte Muskulatur
  • Unruhe
  • Speicheln
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Starkes Hecheln
  • Jammern, Winseln
  • „Stress-Gesicht“: Ohren sind angelegt bzw. zurückgezogen, Lefzen sind zurückgezogen und die Augen aufgerissen oder zusammengekniffen.
  • Konzentrationsmangel
  • Überreaktion auf ganz normale Ereignisse
  • Rute versteift
  • Geduckte Körperhaltung
  • Nicht-ansprechbar-Sein
  • Verweigern von Futter

Stress kann in mehrere Gruppen eingeteilt werden:

Biologische Stressoren

  • Viren
  • Bakterien
  • Parasiten
  • Autoimmunerkrankungen
  • Krebs
  • Entzündungen

Toxine

  • Verschiedene Vergiftungen

Physikalische Stressoren

  • Hitze
  • Kälte

Physische Stressoren

  • Erschöpfungszustände
  • Über/Untergewicht
  • Körperliche Belastungen
  • Verletzungen
  • Ungestillte Grundbedürfnisse
    • Luft (schlechte Luft, stickige Räume)
    • Essen
    • Trinken
    • Schlafen
    • Bewegungsfreiheit
    • Isolation

Chemische Stressoren

  • Pheromone
  • Sonstige Duftstoffe

Sensorische Stressoren

  • Reizüberflutung
    • Optisch
    • Akustisch
    • Olfaktorisch
    • Taktil
  • Reizentzug
    • Optisch
    • Akustisch
    • Olfaktorisch
    • Taktil
  • Schmerzreize
  • Unangenehme Gefühle
    • Angst
    • Wut
    • Furcht
  • Einsamkeit
  • Aufregung
  • Schlafstörungen

Psychische Stressoren

  • Überforderung
  • Unterforderung
  • Versagensangst
  • Angst vor Strafe
  • Trauer
  • Trennungsangst
  • Depression

Wichtige Erkenntnis

Wenn ein Hund zum Beispiel eine Leinenaggression gegenüber fremden Hunden zeigt, bringt es nichts, ihn abzulenken, zu unterbrechen oder schönzufüttern wenn er schon in der Leine hängt. Dann ist es schon viel zu spät und der Körper hat sich hormonell schon lange auf die Situation eingestellt. Das entscheidende ist es gar nicht bis zur Eskalation kommen zu lassen, sondern schon vorher einzugreifen.

Spread the word. Share this post!